Cholerabrunnen by Jahnke Stefan

Cholerabrunnen by Jahnke Stefan

Author:Jahnke, Stefan [Jahnke, Stefan]
Language: deu
Format: epub
Tags: Dresden, Cholera, Tresor, Mutschmann, Neumarkt, Frauenkirche, Schatz, Krieg
Publisher: Buchautor Stefan Jahnke
Published: 2013-08-25T22:00:00+00:00


Wenig später fahren sie die Bautzner Straße weiter gen Ortsteil Weißem Hirsch, halten ein gutes Stück vor der Mordgrundbrücke an.

„Hier… den Weg durch den Wald, am Wolfsdenkmal vorbei… nein, nicht dem in Kreyern… Soll eher ein Zentaur sein… und dann auf dem Hügel oben… sieht man nicht von hier. Ist die höchste Erhebung hier ringsum. Nicht zu verfehlen. Haben Sie gute Schuhe an?“

Ja, eben… leider… zu gut. Eindeutig zu gut. Behringer flucht. Musste er wieder die Neuen tragen? Na ja, zum Anzug passen sie nun einmal. Er sollte sich durchringen und endlich auch in die Jeanszeit kommen. Seine Kollegen kleiden sich längst nicht mehr, wie zu DDR-Zeiten üblich. Schlips und Kragen… das ist was für Manager. Damit… Mist. Er grinst. Es gibt Leute, die das nicht so sehen. Von Gestern…

Sie steigen aus und nehmen den Weg. Hier ist der Boden hauptsächlich sandig. Zum Glück, denkt sich der Oberkommissar und sieht, wie sein Assistent stets ein paar Schritte vor ihm bleibt, schneller den Hügel nach oben kommt, als er es jemals schaffen würde. Er sollte wieder an seiner Kondition arbeiten. Zu viel Arbeit im Büro, zu wenig Stress, der seine Muskeln bedient… außer jenen, die er fürs Denken benötigt… aber das sollen keine Muskeln sein. Er grinst in sich hinein. Ja, so ist das… der Chef und sein Assistent…

Dann stehen sie oben. Weiter hinten im Wald sehen sie eine Gruppe von vielleicht drei Personen, die sich auch hierher bewegt. Hmm… nicht jeder weiß schon von dem Unglück, über das sie sich nun eben kundig machen wollen. Die da? Sicher nicht. Sehen irgendwie… recht unbeleckt aus.

Er schaut sich skeptisch diese Ruine an. War wohl ein interessanter Turm. Wer erzählte etwas von Hans Erlwein, einem ehemaligen Stadtarchitekten und Baurat, der in Dresden eine Menge Bauten plante und errichten ließ? Er weiß es nicht mehr. Vielleicht auch das Ding hier? Nun liegt die Größe eines Turmes in Trümmern in der Mitte eines Treppenbaus, den man noch ziemlich weit bis zu den Baumwipfeln begehen kann, auch wenn überall Verbotsschilder stehen. Der Dreck und die vielen weggeworfenen Flaschen und Dosen künden davon, dass man sich nicht unbedingt daran hält.

Langsam steigt er nun nach oben. Dengler ist wieder vor ihm, treibt ihn an, ohne ein Wort zu sagen. Solche Kollegen kann er vielleicht leiden! Er grinst und kann doch nicht wirklich lachen. Blöde Situation. Erst der Fall, der Kerl, den man vielleicht für immer wegschließt, der aber eben nicht verantwortlich zu machen ist, wenn sich sein Gemütszustand später wirklich bewahrheitet… und dann noch diese Überschwemmungssache. Der verdammte Regen! Gestern noch saß er unten am Neumarkt, an der Münzgasse, unterhielt sich mit diesem Alten… Mauersberger… über Bau und alte Zeiten. Und heute soll alles dort im Wasser stehen? Nein, das ist… kaum zu glauben!

Er ist oben. Sie haben kaum Sicht, denn ein Wind setzt ein und wirft die Baumkronen hin und her. Immer, wenn sich ein Spalt öffnet, sie gerade versuchen, etwas zu erkennen, verschließt ein anderer Baum wieder alles und sie stehen da, als gäbe es eine Bildstörung.



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